Nils Löster Fotograf

Georg Rokita hat sich für Connected-Inline mit Nils Löster unterhalten.


CI: Hallo Nils, stell dich bitte selber erst mal kurz vor!

Ich bin 22 Jahre alt; geb. in Karl-Marx-Stadt; wohne derzeit in Leipzig und studiere Soziologie im 5. Semester.

CI: Neben den lästigen Vorlesungen im Semester und der stressigen Prüfungszeit am Ende, was hast du bist jetzt in diesem Sommer schon alles erlebt?

Dieser Sommer war sehr entspannt, gerade weil ich keine so stressige Prüfungszeit hatte, wie es sonst eher der Fall ist. Ich bin in der ersten Jahreshälfte relativ viel unterwegs gewesen. Ich war dreimal für mehrere  Wochen in Spanien, darunter einmal mit meinen Freunden von „Here We Are“ in Barcelona. Da ich nicht viel Zeit für das Studium investiert hatte, habe ich mich auch von mehreren Prüfungen abgemeldet. In der vorlesungsfreien Zeit blieb dann finanziell nicht mehr viel übrig um große Sprünge zu machen. Ich bin noch ein wenig in Deutschland unterwegs gewesen, war auf ein paar kleineren Festivals und habe auch einige Zeit in meiner Heimatstadt Chemnitz verbracht.

CI: Das ist ja schon eine ganze Menge. Seit einiger Zeit machst du jetzt schon Bilder. Wie bist du dazu gekommen dir einen Fotoapparat zu holen?

Einer der damals ausschlaggebenden Punkte war Rollerblading fotografieren zu wollen, obwohl ich mich auch allgemein für Fotografie interessierte. Motiviert durch Bilder in Magazinen wie „be-mag“, „Daily Bread“ oder „Roll2Soul“ kaufte ich mir eine analoge Spiegelreflex. Es war natürlich etwas schwierig mit einer analogen Kamera anzufangen, wenn man keine Ahnung von den „optimalen“ Einstellungen hat. Im Glauben den perfekten Moment eingefangen und die richtige Belichtung gewählt zu haben, kommt der Film von der Entwicklung zurück und es ist kein brauchbares Bild dabei. Es kommt meistens auf den Bruchteil einer Sekunde an in der der Skater eine ästhetische Haltung einnimmt, sich in der gewünschten Position im Bild befindet, oder gerade mal nicht den Arm vor dem Gesicht hat. Die Bildvorschau der digitalen Technik ist dahingehend eine echte Bereicherung.

CI: Machst du ausschließlich Bilder von Rollerblading, weil dort deine Wurzeln liegen?

Rollerblading zu fotografieren ist eines meiner liebsten Beschäftigungen. Oft nimmt der Fotograf oder Filmer einen großen Einfluss darauf welchen Spot der Skater fährt, wenn es darum geht etwas medial zu produzieren. Egal ob man diese Entwicklung als positiv oder negativ bewertet, es macht auf jeden Fall Spaß mit offenen Augen durch die Stadt zu laufen, dem Skater bestimmte Spots vorzuschlagen oder Spotvorschläge des Skaters an zu schauen, zu überlegen in wie fern sich ein Bild lohnt und dann gemeinsam ein Bild zu erarbeiten. Das was Rollerblading ausmacht, ist für viele die Möglichkeit sich in nahezu „unendlichem“ Maße kreativ austoben zu können. Das Gefühl einer gewissen Freiheit und Ungezwungenheit, dass sich dabei entwickelt, begleitet einen auch beim Fotografieren von Rollerblading. Das ist ein Punkt den ich dabei sehr schätze.
Fotografie ist jedoch ein so vielseitiges Medium, dass ich es eintönig finden würde, sich ausschließlich mit Rollerblading zu beschäftigen.

CI: Woher entnimmst du deine Ideen und deine Kreativität Rollerblading in Bildern zu schießen.

Ich werde, wie jeder Mensch, bewusst oder unbewusst von den Medien beeinflusst.
Ideen für Bilder entwickelt man daher auch häufig aus dem was schon da ist, was man mal irgendwo gesehen hat und was sich dann in irgendeiner Form eingeprägt hat. Ich werde oft mit Bildern auf News- Seiten von Rollerblading im Internet konfrontiert, wenn ich mich informieren will was in der Szene vor sich geht. Aber ich schau mir auch bewusst Bilder in den bekannten Skate- Magazinen wie be-mag etc. an.
Mich hat in der letzten Zeit ein neues Rollerblading- Magazin namens „8up“ überrascht. Es ging von Darstellungsweiße und Inhalt einen anderen Weg, wie die bisher bekannten, sich dahingehend ähnelnden Magazine. Ich finde es in Sachen Kreativität sehr inspirierend.

CI: Nach Myspace kam Facebook und mit den sozialen Netzwerken kam auch der konjunkturelle Aufschwung der Fotoindustrie. Du bist erst seit kurzem in einem sozialen Netzwerk aktiv. Welche Motivation hat dich getrieben immer wieder bessere Bilder zu schießen. Mit Sicherheit war es nicht der Selbstvermarktungsgedanke.

Diese Frage musste ich mir mehrmals durchlesen, ich möchte mehrere Punkte darin aufgreifen.
Meiner Meinung nach gibt es keine „guten“ oder „schlechten“ Bilder. Ob ein Bild als gut oder schlecht bewertet wird, hängt rein vom subjektiven Empfinden der jeweiligen Person ab, die es betrachtet. Es gibt sicherlich Bilder, die der Mehrheit der Betrachter gefallen oder nicht gefallen. „Gut“ oder „schlecht“ gewählt kann meiner Meinung nach aber nur die Art der Darstellung im Bild sein wenn man genau weiß welche Absicht der Fotograf in Sachen Darstellungsweiße verfolgt hat, es schwingt jedoch immer eine subjektive Komponente bei der Bewertung mit.

Motiviert bin ich durch das kreative Potential von Rollerblading, was einem die Möglichkeit gibt immer wieder neue Momente in Bilder festzuhalten, die so noch nicht da gewesen sind. Ich hab mir für die Zukunft vorgenommen, was Rollerblading angeht, weniger mit Blitz zu fotografieren und mehr die natürlichen Lichtverhältnisse zu nutzen. Ob die Bilder letztendlich der Masse gefallen oder nicht ist mir relativ egal, solange sie mir gefallen und ich mit dem Bild zufrieden bin.

Soziale Netzwerke bieten sicherlich für jeden den Vorteil sich individuell darzustellen und präsentieren zu können. Die Anmeldung hatte jedoch für mich rein praktische Gründe. Ich wollte den Informationsvorteil der sozialen Vernetztheit nutzen und zudem noch meine zu diesem Zeitpunkt hohen Telefonkosten reduzieren, deshalb konnte ich mich nicht länger verwehren.

CI: Wollen wir aber nicht nur über dich als Fotograf reden. Selbst skatest du auch, so oft es dein Studium zulässt. Gibt es Spots, Tricks oder Moves die du am liebsten mit deinen Rollerblades machst?

Für mich muss Skaten in erster Linie Spaß machen. Ich sehe nach den knapp 10 Jahren, die ich jetzt schon dabei bin, im Skaten nicht mehr die „competition“ besser sein zu wollen als andere und ich bin nicht wirklich immer motiviert neue Tricks lernen zu wollen. Ich kombiniere gern die Tricks die ich kann in „lines“ und schaue oft nach neuen Spots an denen vielleicht noch niemand zuvor einen Trick gemacht hat. Rollerblading ist für mich nicht nur ein Sport, den man für sich betreibt. Es ist viel mehr ein „Lifestyle – Ding“, das sich dadurch definiert, mit Freunden zu reisen oder einfach nur gemeinsam draußen in der Stadt abzuhängen, eine „session“ zu fahren oder sich einfach mal nur zu entspannen und ein Bier zu trinken, während man den anderen beim Skaten zuschaut. Solange man Rollerblading abwechslungsreich gestaltet und man nicht zu hohe Ansprüche an sich selbst stellt, kann es nicht langweilig werden.

CI: Wenn du mit anderen Rollerbladern shooten gehst hilft dir deine Empathie für den Rider ein gutes Bild zu bekommen?

Es ist nicht notwendig sich in den Skater hinein versetzen zu können um ihn zu fotografieren, wenn man weiß was er vor hat. Es bringt aber schon einige Vorteile mit sich, wenn man den Skater kennt und über seine Fähigkeiten bzw. seine Art zu skaten und sich zu bewegen bescheid weiß. Das erspart die eine oder andere Frage die sich ergibt (bspw. nach der Drehrichtung). Skater und Fotograf können sich dadurch eher auf ihre Sache konzentrieren. Andererseits kann man Vorschläge unterbreiten, was den Spot oder den Trick angeht. Es ist somit unkomplizierter das ein oder andere zufrieden stellende Ergebnis zu erzielen.

CI: Was hast du dir für die nahe Zukunft noch vorgenommen?

Ich hab mir fest vorgenommen neben dem Studium ein wenig arbeiten zu gehen, damit ich nächstes Jahr wieder genug Geld zur Verfügung habe um zu verreisen.

CI: Letzte Frage: Was habe ich vergessen zu fragen?

Das ist die „berühmte“ letzte Frage, auf die der Interviewte keine Antwort haben kann.
Ich möchte mich aber an dieser Stelle für das Interview bei Connected Inline bedanken.

CI: Vielen Dank Nils für dieses Interview und viel Erfolg weiterhin.

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